V. Arbeitsmethodik, Aufschlußverhältnisse

a. Kartiermethodik, Aufschlußverhältnisse

Im Oktober 1986 verschaffte sich der Autor einen Überblick über das Gelände und nahm erste Proben, von denen einige im Winter 1986/87 bereits bearbeitet wurden. Nach einer Geländeeinweisung im Juni 1987 begann die eigentliche Geländearbeit im August/September 1987. Vor der Geländeabnahme Ende Juli 1988 wurden einige Tage zur Komplettierung der Ergebnisse verwendet; die erste Augustwoche wurde zur abschließenden photografischen Dokumentation genutzt.

Grundlage der Kartierung waren die vom Italienischen Militärgeographischen Institut (Instituto Geografico Militare) herausgegebenen topographischen Karten im Maßstab 1:25000:

Carta D' Italia alla Scala Di 1:25000.

Serie M 891, Foglio VALLE AURINA 1A III SO, Ed. 4 und
Serie M 891, Foglio CAMPO Tures 4B IV NO, Ed. 5
.

Von diesen wurden photographische Vergrößerungen des Maßstabs 1:10000 hergestellt und mit einem normalen Papierkopierer vervielfältigt. Ergänzend wurde die "Kompass Wanderkarte Nr. 82, Tauferer-Ahrntal/Valle di Tures-Aurina" im Maßstab 1:50000 verwendet.

Technische Hilfsmittel waren ein Thommen-Höhenmesser TX 5000 und ein Zweikreis-Gefügekompaß.

Bei den Arbeiten in den höheren Bereichen des Gebietes waren der hochalpine Charakter und damit die Möglichkeit schneller Wetterumschwünge zu berücksichtigen. Den gesamten August und einige Tage im September 1987 erschwerte schlechtes Wetter, teilweise mit starken Schneefällen, die Arbeit.

Kartiert wurden zuerst die höheren Gebiete, um den Abschluß der Arbeiten dort vor einer weiteren eventuellen Schlechtwetterphase im Herbst zu gewährleisten, während der niedrigere Geländeteile eher hätten bearbeitet werden können. Für die Kartierung wurde die Bestimmung des eigenen Standorts (mit Höhenmesser, Kompaß und Karte) auf 10 m genau angestrebt.

Insgesamt wurden im Gelände etwa 600 Proben (ca. 320 kg) genommen; einige davon orientiert. Mit dem Zweikreis-Gefügekompaß wurden circa 450 Gefügedaten gemessen.

Im Bereich des Altkristallins wurde das Anstehende erst dem Hangfuß folgend erfaßt, während in der Matreier Zone aufgrund der Aufschlußverhältnisse eine Gratwanderung vorab den vollständigsten Eindruck des vorhandenen Gesteinsinventars vermittelte. Zusätzlich zum Kartieren am Grat und am Hangfuß erwies es sich vor allem in der Matreier Zone auch als unabdingbar, auf verschiedenen Höhen am Hang zu queren und dabei Profile abzulaufen. Die genaueste Methode, und oftmals die einzige zum Erfolg führende, war das Verfolgen der Einheiten im Streichen.

Im Bereich der Oberen Schieferhülle wurden alle Straßen, Wanderwege, Holzfällerwege, Wildwechsel und sonstige wegähnliche Spuren, alle Bäche und aufschlußverdächtige Rinnen etc. abgelaufen. Wo es nötig erschien, wurden zusätzlich Strecken weglos zurückgelegt. Aus der Karte nicht ersichtliche Rinnen erschwerten hier das Fortkommen und machten das Gelände unübersichtlich. In der Kartiergrundlage noch nicht enthaltene Forstwege wurden kartographisch aufgenommen und boten dann willkommene Fixpunkte für die weitere Kartierung. Wichtige Wanderwege mit eindeutigem Verlauf wurden ebenfalls in die Karte aufgenommen. Nicht mehr existierende Hütten wurden gestrichen, neue eingezeichnet. Die in der Karte eingetragenen Waldgrenzen wurden im Großklausental auf den Geländekarten teilweise aktualisiert.

Insgesamt sind die Aufschlußverhältnisse in der Oberen Schieferhülle am schlechtesten. Fast der gesamte Bereich ist bewaldet, Aufschlüsse sind vor allem in den niedrigen Geländeteilen selten. Boten diejenigen an Forststraßen noch die besten Untersuchungsmöglichkeiten, so waren anderswo oft nur fleckenhafte Aufschlüsse im m2-Bereich vorhanden. Die Grenze der Grünschiefer zur Kalkglimmerschieferserie war manchmal auch durch Lesesteine auszumachen, trotzdem wurde nur sicher Anstehendes kartiert, um eine größtmögliche "Ehrlichkeit" der fertigen geologischen Karte zu gewährleisten.

Für die Matreier Zone waren bessere Aufschlußverhältnisse kennzeichnend. Das Gelände war insgesamt zwar steiler, ein Versteigen war in den Schwarzphylliten trotzdem eher möglich.

Das Altkristallin bot zwar die besten Aufschlußverhältnisse, allerdings bedeuteten Aufschlüsse nahezu senkrecht zum Streichen, bei steilstehenden lithologischen Einheiten, geringe Ausstrichbreiten. Ein Verfolgen entlang des Streichens war hier im Gegensatz zur Matreier Zone, aufgrund der oft nahezu senkrechten Hänge, jedoch nicht oder nur unter Schwierigkeiten möglich. Das Kartieren im Altkristallin wurde durch lange Anmarschstrecken, schwieriges Gehen aufgrund fehlender Wege, Steinschlaggefahr und steile, vereiste Schneefelder im Talschluß behindert. Schneefelder erwiesen sich teilweise jedoch auch als hilfreich, da sie die Steinschlaggefahr minderten.

b. Bearbeitung der Proben

Alle Proben wurden senkrecht zu evtl. vorhandenen B-Achsen oder dominierenden Lineationen gesägt (ac-Schnitt); einige auch zusätzlich parallel zu solchen (ab-Schnitt). Von den Handstücken wurden circa 200 Dünnschliffe und 40 Anschliffe angefertigt.

Die Auswertung der Dünnschliffe erfolgte mit einem Zeiss-Polarisationsmikroskop. Bei Modalanalysen nach dem point-counter-Verfahren wurden jeweils 250 Punkte ausgezählt. Dünnschliffphotographien wurden an dem Mikroskop "Leitz Laborlux 12 POL" mit einem "Wild Photoautomat MPS" erstellt.

Einige Handstücke wurden unter einem Binokular untersucht.

Bei der Vorbereitung der röntgenographischen Analysen wurden die ausgewählten Proben feingemahlen und mit Silizium als internem Standard vermengt. Zum Einsatz kam ein Philips-Pulverdiffraktometer mit Kupfer-Röhre (CuKα1 = 1,5405 Å). Alle Diagramme wurden mit einem Goniometervortrieb von ½°/min und Papiervorschub von 10 mm/min aufgenommen. Die weiteren Aufnahmeparameter waren:

- Röhrenspannung 35 kV
- Röhrenstrom 20 mA
- Verstärkung 1x104
- Zeitkonstante 1 sec


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