I. Ingenieurgeologie

I. Muren und Rutschungen

Muren und Rutschungen wurden bereits im Kapitel Quartär unter dem Unterpunkt "Massenbewegungen" behandelt (s. S. 146); deshalb seien an dieser Stelle nur einige Zusatzinformationen gegeben.

Bei den im Kartiergebiet beobachteten Rutschungen handelt es sich fast durchweg um Oberflächenrutschungen bis maximal 1,5 m Tiefe, die manchmal nur den durchwurzelten Boden betreffen, die aber auch die obersten, stärker verwitterten Bereiche des anstehenden Gesteins erfassen können. Ihre Auswirkungen sind meist verhältnismäßig gering und fast ausschließlich auf die Nebentäler des Ahrntals begrenzt.

Das Haupttal ist selten betroffen. Beim Einfallen des Haupttalhanges nach NNW wirkt das generelle Einfallen der s-Flächen und der lithologischen Einheiten nach SSE hier größeren Rutschungen entgegen. Obwohl andere potentielle Gleitflächen, die entsprechende Rutschungen begünstigen würden, in den betroffenen Gesteinen der Oberen Schieferhülle nur selten auftreten (vgl. S. 116), kann es an ihnen zu Bewegungen kommen (s. S. 150, Abb. 84). Kompetentere, verwitterungsresistentere Lagen (kalk- oder quarzreiche Lagen und Marmore), in Verbindung mit dem Einfallen, und der Bewuchs sind weitere Faktoren, die die Hänge des Haupttales weitgehend rutschungssicher erscheinen lassen.

Anders sehen die Verhältnisse in Pürsch-, Bären- und Großklausental aus, wo Rutschungen und Muren insgesamt häufiger auftreten und oft auch das anstehende Gestein erfassen. Dort können die nach ESE oder WSW einfallenden Klüfte als Abrißkante und eventuell auch als Gleitfläche dienen. Der andersartige Anschnitt durch die nach SSW oder NNE geneigten Hänge läßt das Einfallen hier nicht mehr so hangstabilisierend wirken, wie an den Haupttalhängen. Besonders anfällig sind in den Nebentälern die Südhänge der zum Streichen parallel verlaufenden Rinnen. Dort bilden die s-Flächen potentielle Gleitflächen. Die Vegetation wirkt auch in den Nebentälern stabilisierend, ist jedoch nicht immer in der Lage, Rutschungen zu verhindern. Größere Bäume kommen in Bereichen des Bodenfließens - wie zum Beispiel in den Grünschiefern am Osthang des Bärentales - manchmal gar nicht auf; Gras oder Büsche sind mit ihrer geringeren und flacheren Durchwurzelung des Bodens nicht in der Lage, den Hang ausreichend zu stabilisieren. Auf natürliche oder anthropogene Störungen der Vegetationsdecke reagieren die Hänge der Nebentäler gegenüber dem Haupttal deshalb besonders empfindlich. Praktische Auswirkungen hat dies vor allem beim Bau und Unterhalt der Forststraßen (s. S. 171).

Muren treten ebenfalls vornehmlich in den Nebentälern auf. Die angerichteten Schäden sind verhältnismäßig gering. Größere Schuttmassen, die als Murmaterial für Murabgänge ins Haupttal zur Verfügung ständen, finden sich in den Steilabbrüchen der Schwarzphyllite am Haupttalhang oberhalb Treien (1348 m) und am Nordhang des Schönbergs. Selbst bei starken Regenfällen oder bei Schneeschmelze dürften Rutschungen dieses Lockermaterials jedoch am Hang selbst bereits wieder zur Ruhe kommen.

Anders ist die Situation im "Steinschlag" westlich des Bärenbachs (s. S. 149). Hier kommen zum normalen Schutt die in der Anbruchnische selbst stehengebliebenen Reste des "glazio-fluviatilen Sediments" (s. S. 138), frisches Rutschmaterial der sich weiter nach oben verlegenden Abrißkante und der zwischen 1400 m und 1550 m instabile Hang westlich der Anbruchnische:

Ein Teil der aus Grünschiefern der Schieferhülle gebildeten Geländenase westlich des Steinschlags ist von Klüften und Spalten durchzogen und in Bewegung. Auch größere Bäume fallen der Hangbewegung bereits zum Opfer. Beobachtet wurden offene Spalten im anstehenden Gestein bis in eine Tiefe von 3 bis 4 m. Klüfte und verfüllte Spalten zerlegen das Gestein jedoch sicher auch noch in größerer Tiefe. Die rotationsförmigen Bewegungen einzelner Grünschieferblöcke und -schollen zur Rinne sind damit nur ein Zeichen für den insgesamt in Bewegung befindlichen Hang. Die Bewegungsrichtung geht etwa nach Nordosten auf den Steinschlag zu; die Hangbewegungen liefern also zusätzliches Lockermaterial in die Rinne. In dieser fließt nach stärkeren Regenfällen ein kleiner Bach.

Im Steinschlag ist deshalb mit Rutschungen und kleineren Muren, im obersten Teil eventuell auch mit einem kleinen Felssturz in die Rinne zu rechnen. Meist wird es sich bei den Massenbewegungen um Kombinationen oder Übergänge dieser Bewegungsformen handeln. In der Rinne könnte es bei starken Regenfällen und der entsprechenden Hang- und Schuttdurchnässung durch das Zusammenwirken mehrerer Einzelereignisse auch zu größeren Rutschungen oder Muren kommen. Da diese Vorgänge circa 200 m tiefer ablaufen als die oben beschriebenen möglichen Rutschungen der Schwarzphyllit-Schuttmassen, reichen ihre Wirkungen auch weiter ins Tal hinab. Ein Ausklingen der Bewegungen noch in der Steinschlag-Rinne kann nicht unbedingt vorausgesetzt werden. Hinweise gibt hier der bewaldete Schwemm- und Murschuttkegel unterhalb des Steinschlags, der bis an die Hauptstraße reicht (s. S. 149).

Größere Murabgänge sind von der südlichen Talseite des Ahrntales kaum bekannt. Für Klein- und Großklausental gibt HANNSS (1967) Murbrüche im Jahr 1594 an. Ursache dürfte allerdings eine "Verklausung" der Mündungsschluchten gewesen sein. Muren mit katastrophalen Folgen sind dagegen von der Nordseite des Ahrntals bekannt:

- 1748 und 1776 starben bei Keilbach-Vermurungen insgesamt 11 Menschen.

- Am 16.09.1867 brach ein durch eine Mure oder einen kleinen Bergsturz am 15.09. aufgestauter See im Wollbachtal. Unterhalb von St. Jakob richtete die Schutt- und Schlammflut große Schäden an. Die Ahrn wurde kurzzeitig zu einem größeren See aufgestaut, der ebenfalls durchbrach und zu weiteren Verwüstungen führte.

- Ältere Murbrüche im Wollbachtal sind von 1598 und 1864 bekannt.

- Muren aus dem Rotbachtal führten 1878 im Haupttal ebenfalls zu einem Stausee und überschütteten Häuser mit bis zu 13 m Murschuttmaterial.

- Am 29.06.1959 kam es nach wolkenbruchartigen Regenfällen unterhalb des Steiner-, Hollenz-, Woll- und Rotbaches durch Murschübe zu größeren Schäden.

- Weitere Murabgänge des Hollenzbaches sind von 1878, ein jüngerer ist von 1965 bekannt.

Von der Schattseite des Ahrntals im Bereich des Arbeitsgebietes sind, aufgrund der andersartigen Lithologie und der Unterschiede in den Mündungssteilstrecken der Bäche, Muren solchen Ausmaßes nicht zu erwarten. Lediglich Verklausungen der Mündungsschluchten, speziell des Großklausenbachs, könnten zu gefährlichen Situationen führen

 

II. Waldwegebau

Während der Kartierung 1987 wurden die bis dahin bereits bestehenden Forststraßen im Pürschtal von 1900 m bis zur letzten Alm auf 2137 m und im Bärental von der Matzeler-Alm (1607 m) bis zur Bärental-Alm (1837 m) weitergebaut. Die Karten zeigen den Stand der Arbeiten Ende September 1987. Im August 1988 begannen im Bärental die Arbeiten an der Fortsetzung der Straße bis zur letzten Alm auf 1906 m.

Unvermeidbare Folge des Forststraßenbaus sind Eingriffe in das Hanggleichgewicht. Teilweise werden Böschungen versteilt, der Hangfuß wird abgegraben und der Wasserhaushalt der Hänge kann empfindlich gestört werden. Unsachgemäße Arbeiten bedingen verstärkte Bodenerosion und Rutschungen. Die sich daraus ergebenden Anforderungen an die Durchführung der Bauarbeiten wurden weitgehend erfüllt:

- Soweit irgend möglich, wurde die Vegetation schonend behandelt. Grassoden und kleinere Bäume wurden vorsichtig entfernt und zur Befestigung der neuen Böschung unterhalb der Straße verwendet.

- Die Arbeiten erfolgten ohne unnötige Verzögerung, um die im Rohzustand besonders erosionsanfällige Wegtrasse schnellstmöglichst fertigzustellen.

- Als schwierig zu handhaben erwies sich gerade im niederschlagsreichen Sommer 1987 der große Wasseranfall. Die versteilte bergseitige Straßenböschung rutschte im durchnäßten Zustand sehr leicht ab. Oft wurde sie durch das an der Böschungskante austretende, im unverletzten Hang sonst oberflächennah abfließende Wasser unterspült. Das Wasser sammelte sich dann auf der Straße und erodierte hier stark. An vielen Stellen erwies sich daher eine zusätzliche Dränung und Befestigung der Böschung mit großen Steinblöcken als nötig.

Böschungsdrainung schemat.

Abb. 101: Schematische Darstellung der hangparallelen Böschungsdrainung mittels
Plastik-Drainagerohren und Grobkies.

Bei der Ableitung des in den Drainrohren gesammelten Wassers, welches sonst, über den ganzen Hang verteilt, fast gänzlich unter der Oberfläche abfloß, wäre eine Einleitung in einen natürlichen Wasserlauf die optimale Lösung. In allen anderen Fällen führt das Wasser an den Ausflußstellen zu einer übermäßigen Durchfeuchtung der Böschung bzw. des Hanges und/oder zum oberflächlichen und dann meist erodierenden Abfluß. Die übermäßige Durchfeuchtung kann zu Rutschungen führen. Auch das Bankett der Straße kann abrutschen, vor allem dann, wenn der Drän-Ausfluß zu nahe an der Straße selbst und eventuell noch auf deren übersteilten aufgeschütteten Teil liegt (s. Abb. 102).

Solchermaßen bedingte Rutschungen und Erosion der Forststraße wurden im regenreichen Sommer 1987 hauptsächlich an den Straßen zur Großklausenalm (1583 m) und zur Unterklausenalm (Maso Polden) (1484 m) oberhalb des Großklausenbaches beobachtet. Bei einer ungünstigen Lage des Abflußrohres sind hierfür jedoch nicht unbedingt besonders große Wassermengen nötig, sondern auch das gesammelte normale Hanggrundwasser kann für eine örtlich übermäßige Durchfeuchtung am Auslauf bereits ausreichen.

Böschungsbruch im Bankett

Abb. 102: Böschungsbruch im aufgeschütteten Teil des Banketts als Folge der
übermäßigen Durchfeuchtung am Drainausfluß.

Wie im vorhergehenden Unterkapitel "Muren und Rutschungen" bereits dargelegt, neigen die beim Straßenbau entstehenden seitlichen Hanganschnitte eher zu Rutschungen als die Stellen, an denen die Straße nahezu parallel zum Einfallen der lithologischen Einheiten verläuft. Ebenfalls stark rutschanfällig sind die Kehren der Straße, da dort die Unterschneidung der Böschung meist am stärksten ist. Eine Böschungsbefestigung mit großen Steinblöcken und die Anpflanzung von Büschen oberhalb erweisen sich auch hier als hilfreich und wurden praktisch überall durchgeführt.

Die schnelle Begrünung der Straßenböschungen vermeidet Erosionsschäden. Der Lebendverbau kann dauerhaft jedoch nur Böschungen schützen, die in sich standfest sind. Eine absolute Sicherung vor Böschungs- und Straßenschäden ist durch die beschriebenen Maßnahmen nicht möglich. Gegenüber zu umfangreichen Vorbeugungsmaßnahmen ist die Sanierung der bei stärkeren Niederschlägen in den Anfangsjahren immer wieder auftretenden Rutschungserscheinungen jedoch wirtschaftlicher. Die älteren Forststraßen zeigen, daß die Durchführung der Arbeiten den Anforderungen weitgehend gerecht wird und die Rutschungen nach einiger Zeit fast ganz zurückgehen. Durch die künstliche und natürliche Begrünung der Böschungen paßt sich die Straße auch recht schnell in die Landschaft ein.

Befestigung Straßenkehre

Abb. 103: Befestigung einer Straßenkehre des Fahrweges ins Bärental. Oberhalb
der Steinblöcke sind neugepflanzte Büsche zu erkennen.

Im Pürschtal wird die Forststraße am Nordhang des Schönbergs in den Kurven auf circa 1800 m bei stärkeren Regenfällen durch den stark schmierenden Schwarzphyllit-Feinschutt fast unpassierbar. Eine Aufschüttung mit Splitt würde hier Abhilfe bringen.

 

III. Anmerkungen zu den Hochwasserschäden 1987

Im niederschlagsreichen August 1987, mit zahlreichen wolkenbruchartigen Regenfällen, kam es im Ahrntal, wie vielerorts in den Alpen, zu extremem Hochwasser. Die Straße und die Brücken wurden an vielen Stellen unterspült oder ganz weggerissen. In Prettau floß der Fluß durch den Ort und beschädigte mehrere Gebäude schwer. Auch im Flußabschnitt, den das Kartiergebiet umfaßt, wurden die zu nahe am Fluß stehenden Gebäude teilweise ganz vom Wasser umflossen.

Hochwasserschaden an Haus im Prettau 1987

Abb. 104: Durch das Hochwasser 1987 beschädigtes Haus in Prettau.

Am 30.08.87 beging der Autor den Talabschnitt zwischen Trinksteinhütte (1671 m) oberhalb von Kasern und Steinhaus (1052 m), um sich über die Schäden und die Art des Hochwassers zu informieren.

- Durch das Hochwasser erodierte die Ahrn den Talboden bereits bei der Trinksteinhütte.

- Muren aus dem Wind- und Röttal erhöhten die Schuttfracht zusätzlich und steigerten die Erosionskraft der Ahrn weiter.

- Zwischen Kasern und Prettau wurde die Straße unterspült und dann komplett weggerissen. Die Ahrn verließ ihr Bett und floß in Anlehnung an die Hauptstraße durch Prettau. Die Schäden waren beträchtlich; angesichts der Wassermenge und des mitgeführten Materials hätte hier jedoch auch viel größerer Schaden entstehen können.

- Aus dem Hasental ging ebenfalls eine Mure ab. Ein größerer Murschuttkegel, der von der Ahrn teilweise erodiert wurde, wies bereits vorher auf frühere Murabgänge aus diesem Tal hin.

- In der Klamm oberhalb von St. Peter wurde (wie an vielen anderen Stellen) der Hang unterschnitten und es kam zu Böschungsrutschungen direkt in den Fluß. Bäume führten an Engstellen des Flußlaufes zu kleinen Verklausungen.

- Im Kartiergebiet wurde zwischen dem Gasthaus GARBER (1138 m) und der Einmündung des Bärenbachs in die Ahrn die unmittelbar neben dem Fluß verlaufende Straße an vielen Stellen unterspült. Die Brücke an der Bachmündung selbst wurde weggerissen.

- Unterhalb von St. Jakob unterspülte die dort direkt am Hangfuß verlaufende Ahrn die steile Böschung und führte zu Rutschungen.

- 700 m vor der Einmündung des Großklausenbachs in die Ahrn weitet sich der Talboden (siehe Talfüllung in Geol. Karte, Anl. 1) bis nach Steinhaus hinab. Die hochwasserführende Ahrn ging hier in die Breite und umfloß einige neue Häuser, die direkt in der Talaue gebaut worden waren. Der kleine Wald zwischen Hauptstraße und Fluß wurde fast in ganzer Breite von der Ahrn durchflossen und schwer geschädigt. Der Boden wurde weggespült, viele Bäume entwurzelt und umgedrückt. Die mitgeführte Schuttfracht beschädigte die stehengebliebenen Bäume, so daß diese anschließend zum Teil gefällt werden mußten.

Hochwasserschäden oberh. Steinhaus

Abb. 105: Hochwasserschäden oberhalb von Steinhaus.

In der Beurteilung des Hochwassers und seiner Schäden ergibt sich folgendes Bild:

- Auslöser des Hochwassers waren die immensen Niederschlagsmengen, die 1987 im ganzen Alpenraum niedergingen und auch anderswo zu großen Schäden führten.

- Bei der außergewöhnlichen Wasserführung der Ahrn ist ein Transport großer Flußgerölle, die bei Niedrigwasser nicht bewegt werden, nicht ungewöhnlich. Die weitere Erhöhung der Schuttfracht durch Erosion der Flußaue, durch Muren aus den Seitentälern und durch Rutschungen der Uferhänge, ist bei der vorgegebenen Geologie und einer solch außergewöhnlichen Wettersituation ein natürliches Phänomen. Die Erosionskraft des Flusses nimmt dadurch weiter zu.

- Schäden an der Straße sind bei der Straßenführung in unmittelbarer Flußnähe, zu der oft keine Alternative besteht, bei solch einem "Jahrhunderthochwasser" praktisch unvermeidbar.

- Für die Ahrn, der ihr Bett bei der großen Wassermenge und Schuttfracht zu klein wurde, bot sich oberhalb von Prettau die nur geringfügig höher liegende Hauptstraße als zusätzliches Flußbett an. Der Ablauf der Geschehnisse war durch die Straßenführung vorprogrammiert, bei dem unwahrscheinlichen "Jahrhunderthochwasser" jedoch nicht vorhersehbar, zumal Erfahrungen mit einem Hochwasser dieses Ausmaßes fehlten.

- Schäden an Häusern, die auf die Talaue und somit in einen Bereich größerer Gefährdung gebaut wurden, sind nicht verwunderlich. Es handelt sich hier durchweg um neuere Häuser; früher wurde eine Bebauung gemieden, die natürliche Gefahr respektiert.

- Die Rutschungen der steilen Uferhänge sind bei starker Durchfeuchtung und Unterschneidung durch die Ahrn ebenfalls ein natürliches Phänomen. Zum großen Teil sind die Rutschhänge noch bewaldet, aber auch die unbeeinträchtigte Natur vermag bei solchen Bedingungen Schäden nicht zu verhindern.

Zusätzlich zur Sanierung der Schäden empfehlen sich die folgenden vorbeugenden Maßnahmen, da mit einem ähnlichen oder sogar noch schlimmeren Hochwasser auch in Zukunft gerechnet werden muß:

- Ausbaggerung oder, wo möglich, Verbreiterung des Flußbettes, um die Abflußkapazität zu vergrößern.

- Absichern der Prallhänge, der Brückenauflager und der rutschungsanfälligen Talhänge (dort, wo der Fluß direkt am Hangfuß fließt) gegen Unterspülungen.

- Verlegungen des Flußbettes an besonders gefährdeten Stellen (z.B. oberhalb von Prettau) durch zusätzliche bauliche Maßnahmen vermeiden. Hier empfiehlt sich die Befestigung der gefährdeten Flußufer, um ein "Ausbrechen" des Flusses zu verhindern. Eventuell sind auch ausreichend bemessene Schutzdämme vorzusehen.

- Flußbegradigungen sind wegen der sich dadurch erhöhenden Abflußgeschwindigkeit möglichst zu vermeiden.

- Die auf der Talaue gebauten Wohnhäuser sind schwer zu schützen. Sie gilt es vor Unterspülung, vor direkter Einwirkung des Hochwassers und vor allem vor der mitgeführten Schuttfracht zu bewahren. Weniger schwerwiegende Folgen, wie z.B. Vollaufen der Keller oder Überspülen der Gärten, sind praktisch kaum zu vermeiden.

Die Sanierung der meisten Schäden erfolgte in verhältnismäßig kurzer Zeit bereits 1987. Im August 1988 waren zusätzliche bauliche Maßnahmen fertiggestellt (s. Abb. 106). Auf weiten Strecken wurden die Flußufer der Ahrn mit großen Felsblöcken gegen Erosion geschützt. Eine absolute Sicherung gegen zukünftige Schäden kann jedoch auch mit aufwendigen baulichen Maßnahmen nicht erreicht werden.

Flußverbauung

Abb. 106: Neue Flußverbauung unterhalb von St. Jakob.


<- Zurück - Inhaltsverzeichnis - Weiter ->

© HARALD ROST